Meinen Roller, die Vollkatastrophe,…

…habe ich neulich zur Werkstatt meines Vertrauens gebracht – mal wieder!

„Und Sie sind sicher, es hat keiner auf Sie abgesehen…?“ Die zweifelnden Augen des Mannes mit den kurzen braunen Haaren treffen meine.

„Äh…“ stammele ich verwirrt. Dann erst verstehe ich den Sinn seiner Worte und füge hinzu: „Naja, mein Roller steht eigentlich jeden Abend woanders – da müsste dieser jemand schon ziemlich bös‘ auf mich sein…“

Monsieur schüttelt den Kopf – frustriert darüber, dass er weder ein Loch in meinen Reifen noch eine Erklärung für meine praktisch nutzlosen, wiederholten Aufpumpmanöver finden kann. Langsam dreht er sich um und schlurft durch die Glasschiebetür zurück in die Werkstatt. Zu meiner kleinen Aprilia, die da aufgebockt ist, nun umgeben von zwei Mechanikern. Sie schrauben emsig an ihr herum, werfen mir zwischendurch kurze, katastrophengeladene (?) Blicke zu.

Und dabei war ich doch so stolz, als ich endlich wieder durch Paris düsen konnte, ohne dass es aus meinem (frisch-montierten 360-Euro) Auspuff knatterte als bretterte gerade das Europa-Charter der Hells Angels über das Kopfsteinpflaster der Champs-Elysées.

Bis kurze Zeit später so gar nichts mehr knatterte. Nein, bei jeder roten Ampel legte mein kleiner Roller ein Mittagsschläfchen ein (beziehungsweise fiel ins Koma), so dass ich geschwind doch wieder zur Hells-Angels-Taktik überging und im Stehen eifrig mit dem Gasgriff (Pedal gibts bei meinem Benzin-Feger nicht) spielte. Eine Taktik, die in Zeiten des Treibhauseffektes und hoher Benzinpreise jedoch nicht wirklich haltbar ist.

Bei meinen daraufhin folgenden akribischen Nachforschungen fiel mein erster Verdacht auf die Werkstatt meines Vertrauens. Die hatte schließlich (für viel Geld!) den neuen Auspuff montiert. Hatte Mister Mechaniker etwa vergessen, den Vergaser neu einzustellen? „Also, ganz ehrlich, Mademoiselle“, verteidigte der sich vehement. „Wir bringen hier lediglich den Auspuff an – alles andere geht uns nichts an!“ Mit so viel Ehrlichkeit hatte ich nicht gerechnet – und beschloss spontan, mein Vertrauen von nun an einer anderen Werkstatt zu schenken.

Nach drei, vier nutzlosen Versuchen – bei denen man mich wahlweise mit „Wir reparieren keine Aprilia“ oder „Aprilia reparieren wir zwar, aber Ihr Modell nicht“ abspeiste – fand ich sie schließlich, die Werkstatt, die von nun an mein (ständiger?) Anlaufpunkt werden würde.

Und hier steh ich nun, an diesem Samstag Nachmittag, voller Vorfreude, nachdem Mister Chef-Mechaniker mit einem Stöhnen (als er mein Aprilia-Sondermodell sah) den Reparierauftrag angenommen hat.

Da höre ich es plötzlich zischen. Einer der beiden Mechaniker hüpft verschreckt zurück, guckt mit großen Augen und schwarz gefärbten Fingern auf den Rumpf meines (meist… naja ok, manchmal) rollenden Babies. Dann kommt er in überrraschend schnellem Schritt durch die Schiebetür gehüpft, dreht sich zu seinem Kollegen hinter dem Ladentisch und prustet: „Die Zündkerze hat sich gerade unter meinen Fingern verdünnisiert!“ Er erntet ein ungläubiges Lachen.

Dann wird Monsieur wieder ernst. Er dreht sich zu mir, runzelt die Stirn und fragt: „Sagen Sie mal, wo lassen Sie Ihren Roller eigentlich warten?“

„Ähhh…“ stammele ich und denke: Warten? Was ist das!? Dann lächele ich verlegen und sage leise: „Hier.“

L.

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About Lisa (ich selbst)

Huhu! Ich bin Lisa. Seit 2005 wohne ich nun im schönen, kleinen Paris. Schön ist's hier, nette Leute gibt's und viele lustige Dinge passieren. Aber - lest doch einfach selbst... L.