Die nächste Céline Dion…

… (oder so) habe ich neulich in Paris entdeckt – zusammen mit einem Team aus Amis, Brits und French Froggies. Bei der „Die Welt sucht den Superstar“-Show – corporate style. Ein kurzer Einblick hinter die Kulissen.

Im Green Room, dem Warteraum, herrscht beschäftigtes Treiben. Vier Mädels sitzen an einem großen, runden Tisch. Zwei von ihnen unterhalten sich leise, die zwei anderen haben jeweils einen Knopf im Ohr – von dem ein Kabel zu einem rosa MP3-Player auf dem Tisch führt – und singen in variierender Lautstärke „True Colors„. Dabei wippen sie vor und zurück auf ihren Stühlen.

Ich beobachte die Szene amüsiert, nippe an meinem Tee mit Milch und lausche. Immer wieder unterbricht die Stimme in meinem Kopf den Gesang der Mädels: durch das Headset des Walkie-Talkies (das Franzosen übrigens Talkie-Walkie nennen) tönen kurze Ansagen meiner Kollegen.

Produktionsassistentin bin ich diese Woche und helfe mit bei der Produktion einer Gesangstalentshow. Und während drüben in unserem Studio (das wir mal eben in einem Raum eines bekannten Pariser Hotels herbeiimprovisiert haben) eine der Singküken vor der Kamera alles gibt, sitzen alle anderen Kandidatinnen dieses Vormittags hier mit mir und warten auf ihren großen Auftritt.

Alle anderen Kanditatinnen? Nein, eine von ihnen, eine kleine Britin, ward zunächst heute Morgen nicht mehr gesehen – ein Grund für kurzzeitige Panik! Dann wurde sie wiedergefunden – auf der Toilette, wo sie bis zum jetzigen Zeitpunkt laut schmetternd immer wieder einen 30 Sekunden langen Ausschnitt von Bonnie Tylers „Hero“ von sich gibt. Zum hoffentlichen Wohlgefallen (?) der restlichen Hotelgäste…

Die zwei nicht singenden Mädels sind inzwischen aufgestanden. Eine von ihnen stellt sich vor ein lila-schwarzes Banner des Konzerns, der den Wettbewerb organisiert. Sie schiebt ein Bein und ihre Brust nach vorne und schenkt der Kamera in der Hand der zweiten Teilnehmerin ein strahlendes Lächeln.

Da knackt es wieder in meinem Ohr: „Lisa for Alex“, höre ich und frage „Yes?“. „Green light for 205.“ „Copy that“, sende ich kurz zurück mit einem breiten Grinsen, so gar nicht in Geheimagent-Manier… Dann mache ich mich auf in Richtung Toilette, wo ich wie erwartet den fünften Singvogel antreffe.

Mit ihr im Schlepptau geht es über den Flur, wo gerade eine Konferenzgesellschaft ihre Kaffeepause hält (frecherweise hat das bekannte Pariser Hotel nicht alle anderen Events dieser Woche gecancelt). Wir schlängeln uns durch die Menge an Amerikanern, Franzosen, Engländern und Deutschen in Richtung Studio.

Dort wird das Vögelchen von einem strahlenden Dave empfangen – dem Dave, der schon American Idol und Frank Sinatra (in seinen jungen Jahren) produziert hat. Und der Dave, der vor Energie so überschäumt, dass er wohl auch ein Stück Brot zum Singen bringen könnte. Oder so.

205 verschwindet in der Tür und während ich auf 204 warte, nähert sich einer der Sicherheitsmänner des bekannten Pariser Hotels. Auch er hat einen Knopf im Ohr, jedoch vom hoteleigenen, auf einer anderen Frequenz sendenen Walkie-Talkie-System. Monsieur bleibt neben mir stehen, mit vor seinem Bauch verschränkten Armen, guckt kurz mit ernstem Blick nach links und rechts und flüstern dann: „Ca va, chef?“ Ich nicke ernst und flüstere zurück: „Oui. Et vous? Vous gérez la situation?“ (Haben Sie die Situation unter Kontrolle?) Er nickt ernst, dann löst sich seine – wie meine – ernste Miene in ein breites Lachen auf.

In dem Moment kommt 204 auf mich zugeschwebt, mit einem verträumten Lächeln. Doch ihr Flug wird jäh unterbrochen, fängt doch Chad sie ab, einer der Gesandten des großen Konzerns, der die ganze Show veranstaltet. „Good job, good job!“ sagt er in alter US-Manier, schüttelt ihr die Hand und schenkt ihr ein warmes Lächeln. Dann nickt er kurz, ich trete heran, und Madame hakt sich bei mir ein.

Gemeinsam schweben wir zurück in Richtung Warteraum.

L.