Wer chinesisch lernt…

…der muss schon ein bisschen irre sein. Diesen Satz habe ich in den vergangenen Wochen mehr als einmal gehört. Zum Glück scheine ich nicht die einzige Irre zu sein auf dieser Welt…

Gleich mehrere Gleichgesinnte habe ich in Pekings Capital Mandarin School getroffen, meiner Heimat für etwa anderthalb der vergangenen drei Wochen. Dort, in dieser ganz entzückenden Schule, habe ich nicht nur erfolgreich vier verschiedene Chinesisch-Lehrer ausprobieren dürfen (die allesamt hervorragend waren!).

 

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Capital Mandarin School

 

Ich bekam zudem eine Einführung in chinesische Geschichte, und genoß zugleich das in den Restaurants des Viertels zubereitete Essen – zur Freude meines Magens oder auch nicht. Manch einem Leser mag in diesem Zusammenhang die flotte Anna etwas sagen, dank derer man gerne auch mal nachts eben etwas flotter in Richtung Badezimmer stürmen sollte…

Schüler-Exemplar Nummer eins und wohl der prominenteste der CMS-Adepten ist W. Dessen chinesischer Name ist WuLong, was soviel wie siegreicher, sich versteckender Drachen heißt. Und genauso lauert er auch, unser liebenswerter Kollege, der sich mit seinen 77 Jahren überlegt hat, er könne doch noch mal chinesisch lernen. Tagein, tagaus und um sein Vollzeit-Lernprogramm herum tönen aus seinem Zimmer die 我s (wos), die 哪里s (nalis) und die 在这人s (zaizhers), die er laut vor sich hin sagt. Jetzt weiß ich auch, was meinen Vater in fünf Jahren blüht…

Exemplar Nummer zwei ist der griechische Gott O. Seinen chinesischen Namen kenne ich gar nicht, und den griechischen sollte ich wohl eher nicht preisgeben. Das könnte schließlich die Befindlichkeiten der einen oder anderen Dame verletzen, die unser Don Juan täglich auf Pekings Straßes, im Café oder in der U-Bahn aufgabelt. Dadurch verbessert dieser griechische Liebes-Gott ja eigentlich nur seine Hanyu-, also seine Chinesisch-Kenntnisse. Ganz nebenbei tut er aber auch noch etwas für die Völkerverständigung und führt die (meisten der) Damen jeweils galant zum Dinner aus. Sicherlich sehr zum Wohlbehagen von Chinas zeitgenössischen Prinzessinnen. Ob die Prinzen angesichts des Männerüberhangs der chinesischen Gesellschaft jedoch an einer solchen Einmischung in intere Angelegenheiten Gefallen finden, bleibt fraglich.

Exemplar Nummer drei ist A. aus der Ukraine/Deutschland. Diese meine Zimmernachbarin fängt gerne den frühen Wurm, springt also voller Elan jeden Morgen um sechs aus den Federn, um eine Stunde durch Pekings frische und gar nicht verschmutzte Luft zu hüpfen. Dabei sieht sie natürlich ein China, das mir Schlafnase verborgen bleibt – mit Taichi-Adepten und Chinesen, die ihre Energie einfach nur mit einem lauten Schrei in die Natur rausblasen. Mehr als einmal hatte ich mir deshalb vorgenommen, mit ihr durch den Morgentau zu sausen. Doch die Schwerkraft war einfach stärker als mein Wille…

Exemplar Nummer vier, Kevin, ist kein Student. Er ist Studenten-Betreuer bei Capital Mandarin School. Abendlich heitert er uns mit chinesischen Witzen auf (zum Beispiel über Pekings Luftverschmutzung oder eine gewisse chinesische Kultur, alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, zu kopieren). Und er unterhält sich mit uns auf (zugegeben sehr leichtem) chinesisch. Aber all diese Mühe ist für ihn auch nicht vergeblich. Schließlich bekommt er von den Sprachschülern davon so Einiges zurück. Wir haben beschlossen, ihm deutsch beizubringen. Mit großem Erfolg. Also, relativ großem Erfolg. Bis jetzt ist er noch bei Lektion eins, die vor allem für die Herren der Schöpfung extrem nützlich ist. Er lernt das Wort „Fön“.

L.

 

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Gaobeidian, das Viertel der Schule, bei Nacht

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About Lisa (ich selbst)

Huhu! Ich bin Lisa. Seit 2005 wohne ich nun im schönen, kleinen Paris. Schön ist's hier, nette Leute gibt's und viele lustige Dinge passieren. Aber - lest doch einfach selbst... L.